Sankt Vincenzstift, Rüdesheim am Rhein

„Rechte und Pflichten lernen“

- Vorbereitung auf ein möglichst selbstständiges Leben

- Kinderhaus Rita für zwölf Mädchen und junge Frauen in Mittelheim offiziell eröffnet

 

Mittelheim, den 30. August 2019.- „Herzlich willkommen im Kinderhaus Rita. Schön, dass Sie gekommen sind.“ Mit diesen Worten begrüßte die Bewohnerin Christine die Gäste anlässlich der offiziellen Eröffnung des Kinderhauses des Sankt Vincenzstifts in Mittelheim. Seit gut einem Jahr wohnt die junge Frau zusammen mit weiteren elf Schülerinnen im Kinderhaus in direkter Nachbarschaft zur Basilika. Das Kinderhaus Rita ist neben den Kinderhäusern Elisabeth und Elija in Rüdesheim das dritte dezentrale stationäre Angebot für Kinder und Jugendliche mit geistiger Beeinträchtigung im Rheingau.

 

Vor dem Fest auf dem Außengelände der Basilika, zu dem Angehörige, Freunde und Nachbarn sowie offizielle Gäste und Vertreter von Land Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis, der Stadt Oestrich-Winkel und dem Jugendamt gekommen waren, hatte Pfarrer Robert Nandkisore die neuen Nachbarn in der Basilika willkommen geheißen. Anschließend segnete er die Kreuze des Wohnhauses. Nach einem Grußwort der Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper überreichte Dagmar Magerl, die Leiterin des Bereiches Kinder/Jugend des Sankt Vincenzstiftes, ihr Willkommensgeschenk: Ein neues Türschild wird künftig auf die neuen Bewohnerinnen hinweisen. Besonderen Spaß hatten Bewohnerinnen und Gäste auch mit der Fotobox, die für Erinnerungen an die Einweihungsfeier sorgte.

 

Nachdem Christine stellvertretend für ihre Mitbewohnerinnen den Ablauf des Nachmittags vorgestellt hatte, packten diese auch gleich mit an: Sie servierten selbstgemachte Cocktails und boten die Speisen an. „Die Mädchen und jungen Frauen sind nach dem Umzug vom Vincenzpark nach Mittelheim im vergangenen Sommer relativ schnell selbstständig geworden“, bestätigt Abteilungsleiterin Heide Lore Huth. Die älteren seien bereits nach wenigen Tagen alleine mit dem Bus gefahren, einkaufen oder zur Bank gegangen. „Die jüngeren Mädchen profitieren ebenfalls von dem neuen Wohnumfeld und sind viel selbstständiger und dadurch auch selbstbewusster geworden.“ Auch Kontakte zu anderen Jugendlichen gestalteten sich viel einfacher als früher. „Wir freuen uns über die Begegnungen mit den Nachbarn, es kommt immer zu einem Gespräch und die Mädchen spielen begeistert mit den Hunden aus der Nachbarschaft.“ Insgesamt fühlten sich die Mädchen und jungen Frauen, aber auch die Mitarbeiterinnen, die die Mädchen rund um die Uhr begleiten, gut aufgenommen.

 

 

Besonders wichtig sei, dass die Mädchen lernen, sich im Sozialraum zu bewegen. „Sie haben mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten“, betont Heide Lore Huth. So müssten sie zum Beispiel lernen, die Musik nicht so laut aufzudrehen wie es im Vincenzpark möglich war. „Dafür haben sie aber viel mehr Möglichkeiten als früher.“ Dazu gehöre der Ausflug mit der Fähre auf den Spielplatz in Ingelheim, der Besuch eines Cafés, der Nachmittag im Schwimmbad oder das Bummeln durch Geschäfte.

 

Auch Pflichten im Haus sind zu übernehmen, schließlich sollen die jungen Frauen vorbereitet werden, später möglichst selbstständig zu leben: Wäsche waschen, einkaufen, kochen, aufräumen – diese und noch weitere Aufgaben werden turnusmäßig verteilt.

 

„Wir haben diese Strukturen schon in unseren beiden Kinderhäusern in Rüdesheim zu schätzen gelernt“, ergänzt Dr. Caspar Söling, der Sprecher der Geschäftsführung des Sankt Vincenzstifts. „Die Jugendlichen orientieren sich sehr schnell und werden täglich eigenständiger. Das bestätigt uns in der Entscheidung, dass dezentrale Kinderhäuser für eine bestimmte Zielgruppe die richtige Wohnform ist. Ergänzende Wohnangebote  halten wir auch weiterhin im Vincenzpark vor. Auch hier entwickeln wir uns ständig weiter.“

 

Im Kinderhaus Rita sind durch den Umbau der ehemaligen Gaststätte „Distelfink“ auf drei Etagen sechs Einzelzimmer und drei Doppelzimmer entstanden, drei bis vier Mädchen teilen sich ein Bad. Im Erdgeschoss gibt es darüber hinaus eine Küche und einen gemeinsamen Wohn- und Essbereich sowie ein Büro für die Mitarbeiter und ein Zimmer für die Nachtbereitschaft.

 

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